3. Juli 2013

Das nicht Enden des Verstehens

Und eine Gesellschaft geht wohl vor die Hunde. Diese meine Generation, steht nicht auf, sie debattiert in Nischen über das Aufstehen und fügt sich dann wieder. Arabien brannte ein ganzes Jahr lang. Syrien und Ägypten noch immer. Die Griechen kommen langsam zur Ruhe, die Engländer haben mit aller staatlichen Gewalt unterdrückt, was sich erhob. Und die meinen schauen zu. Wer radikal denkt muss radikal handeln, ist de Losung mancher und zugleich ihre Scheu. Wer radikal denkt, ist angehalten ein sanftes Mittel zu wählen, sage ich. Sonst kommt die Geschichte zu einem Ende. Doch wer kann in einer Gesellschaft, die sich selbst nicht kennt, Sanftheit erdenken?

Dieser Epos ist wie eingesponnen. Wer verstrickt sich nicht in Fängen seiner selbst? Zwischen innerer Wirklichkeit, im radikalen Denken, und äußerer Realität, dem was die Welt uns entgegen zusetzen hat und uns immer wieder abbringt vom Pfade der totalen Klarheit. Lebe dein Leben, als wäre jeder Tag der letzte. Eine weittragende Losung, wenn Methoden uns zur Umkehr zwingen, wenn die Willkür mancher Leute uns eine Grenze zieht, die ausreicht – für den einen Moment. Und du belügst dich selbst und wirst deiner inneren Welt eine Perversion.

Lebe oder werde gelebt. Führe ein Leben oder werde im Leben geführt. Denke oder werde gedacht. Der soziale Epos unsrer Generation mündet in einer sozialen Katastrophe. Fernsehfamilien, Mittag bei einer Fastfood Filiale, überlastete Jugendämter. Als Teilhabender ist die Frage nach dem „warum ist die Sache garnicht so schlimm?“ meist näher gerückt, als der Gedanke nach dem „was muss nun andersherum laufen?“. Frage und werde befragt. Rede und werde besprochen. Die Frage des modernen Menschen muss fortan lauten: Wem höre ich zu? Und nicht länger: Auf wen höre ich?

Ein nicht endendes verstehen wollen ist eine viel weitertragende Losung.

3. Februar 2011

Das Sozialepos unserer Generation

Das soziale Epos unserer Generation - das ist die große Erzählung unseres Hier-seins. Das Epos unserer Gesellschaftswerdung im in-der-Welt-sein. Es ist eine Erzählung, die bei mir viele Fragen aufbringt. Zuvorderst die, worin sich dieses Epos zeigt. Manche Antwort darauf ist mir bereits recht abstrakt vor Augen. Dieses Epos zeigt sich in den Erkenntnissen, die wir gewinnen, in unserem Heranwachsen, der Lehre, die wir uns in unserer Gesellschaft zukommen lassen. Es zeigt sich in den Eindrücken, die der Lehre zu Grunde liegen. Und zuvorderst in dem Schluss, den wir ziehen, der nur möglich war, da wir all dies noch nicht begriffen, als dieser Epos seinen Anfang nahm.
Ein Epos ist eine Erzählung. Und das, was erzählt wird, liegt in meiner Generation in dem vergangenen Vierteljahrhundert. Und nimmt man es genau, noch viel weiter davor. Dieses Epos erzählt vom kleinbürgerlichem Wegschauen und erlogener Vergangenheit. Es erzählt von Zwanghaftigkeit und Verwahrlosung im Wohlstand, vom Raub der Perspektive, die wir hätten haben können, durch die Kinder der Kriegskinder.  Es ist ein neurotisches Ringen um Bedeutung, es ist ein Abfinden mit der Mittelmäßigkeit, wenn die Kräfte versagen. Und es ist auch ganz gleich, was sich durchsetzen soll: wer nicht mitzieht und dabei verliert, hat nicht gelernt, lernt man hier.


Dem einen ist dieses Epos zuwider. Er lehnt es ab. Er verfolgt es dabei, um nicht so zu sein. Sein So-sein ist das ständige individuell sein, durchhalten können, weiter kommen können. Nutzen und nicht blos erwerben. Erwerb ohne Gegenerwerb. Nehmen und wieder nehmen. Zum Eigennutz. Und vor allem: ohne einem anderem von Nutzen zu sein. Es ist der verzweifelte Versuch jedem Moment den meisten Gewinn abzuRotzen. Der Sozialepos unserer Generation ist das Scheitern von Gesellschaftigkeit, die nach einem Plan hätte funktionieren sollen, den die Generation der Kriegskinder entwarf, aber den wir gezwungen sind auszuführen. Es ist das Erbe für unsere Generation, die Aufwuchs nach den Wirren und Kämpfen von '68 bis '89. So lebt man auf Kosten Anderer, und wird geschlagen durch Depressionen und Burn-out, Rückzug und Ängste, day-to-day-living, dem Nihilismus unseres Zeitalters: nichts ergibt einen Sinn, lebe dein Leben so, dass du jeden Moment an das Maximum kommst, das du für dich raus holen kannst.


Wer Prägung hinterlassen will zieht sich zurück. Das Ausbleiben von Positivistischen tut sein Bestes. Thatcher hat uns sehr viel mehr beeinflusst als Schröder. Es gäbe keine Gesellschaft: Thatcher. Es gäbe nur Individuen: Thatcher. Und Schröder verriet uns schon zu seiner Zeit. Versprechungen sind das Macht- und Hinhaltungsinstrument derer, die unsere Generation führten. Die Lehrer, die Profs und Dozenten, die Chefs und die Bereichsleiter. Die Journalisten, die unsere Wissbegierigkeit für ihre Interessen missbrauchten. Die Politiker und ihr Ringen und Werben mit der Lobby. Für die Lobby? Sie alle haben den Versuch einer Demokratie ad absurdum geführt. Eine Perspektive, die wir nicht mehr erleben werden. Griechenland steht auf. Frankreichs Vorstädte brennen. England, Schweden und Ungarn schotten sich ab vor dem Volk. Kontrolle vor Freiheit. Der Funke springt in die Welt. Arabien brennt. Nordafrika steht auf. Bald auch Asien?


Ein Sozialepos ist die Erzählung von der Erkenntnis einer Generation. Und diese, meine Generation trägt noch mal zu Grabe, was sich im Winden mit der Gesellschaftigkeit kaputt schliff, verkantete, verdrehte und korrumpierte.









03.02. - 1.05.2011